Spiele gegen direkte Rivalen im Abstiegskampf sorgen meist für Hochspannung. So war es auch im Heimspiel gegen die punktgleiche Mannschaft des SK Goslar. In der dritten Mannschaft einer Stadt. die auf die erste einer anderen Stadt trifft, sind typischerweise die hinteren Bretter etwas erfolgreicher als die vorderen. Aber so extrem wie dieses Mal erlebt man diesen Gegensatz selten: An Brett fünf bis acht wurden alle unsere Partien gewonnen.
Dieter (siehe Bild) konnte sich am fünften Brett nach längerer Abwesenheit über ein erfolgreiches Comeback freuen. In seinem typischen Angriffsstil überrannte er seinen Gegner und zwang ihn schon nach zwei Stunden Spielzeit zur Aufgabe. Ähnlich große Überlegenheit erspielte sich Jan, der sich strategisch gut aufstellte, mit einem starken Läuferpaar und aktivem Spiel zwei Bauern gewann, was kurze Zeit später zum Sieg und zur 2:0-Führung führte. Eine gediegene Leistung zeigte am siebten Brett Andreas, der uns aus der vierten Mannschaft unterstützte. Er gewann durch das Angebot eines vergifteten Bauern eine Leichtfigur, tauschte diesen Vorsprung unter Rückgabe der Figur gegen eine strategische Gewinnstellung mit zwei Mehrbauern ein und gewann souverän das sich ergebende Bauernendspiel. Vielen Dank an Uschi und die Vierte für diese tolle Unterstützung! Und auch Frank ließ nichts anbrennen, sein Gegner wählte die Philidorverteidigung. In der Folge gewann Frank zunächst einen Bauern, dann einen weiteren, schließlich die Qualität. Sein Gegner versuchte noch ein Dauerschach, was Frank vereiteln konnte, und gab dann (endlich) auf.
In meiner Verlustpartie (Karl Ulrich) an Brett 4, in der ich mich dank meines geliebten Grand-Prix-Angriffs lange Zeit wie der Sieger fühlte, gingen die von mir ausgelassenen Gewinnchancen auf keine Kuhhaut. Konsequenz dieser Patzer: Die Partie kippte und endete in einer Niederlage, die ich am liebsten ganz schnell vergessen möchte. Wie schön, in einer super motivierten Mannschaft zu spielen, die dafür sorgte, dass ich damit nicht auch den Mannschaftsieg verbockt habe. Jürgen an Brett 1 hielt seine Partie lange ausgeglichen, musste aber nach einem Fehler im Endspiel die Segel streichen. Die Freude über die Leistung der Mannschaftskameraden war auch ihm anzumerken. So viel zu den beiden Niederlagen...
Insgesamt stand es nun 4:2 für unsere Mannschaft – hört sich ja erstmal ganz beruhigend an, aber es war längst noch nicht ausgemacht, dass dies auch zum doppelten Punktgewinn führen würde. Denn in den beiden verbleibenden Partien von Siegfried und Stefan musste mindestens einer der beiden ein Remis schaffen, und das erwies sich als äußerst schwierig. Alle Achtung vor dem, was Siegfried und Stefan in dieser Lage an Konzentration und Ausdauer gezeigt haben! Siegfrieds Gegner hatte in ein Bauernendspiel abgewickelt, in welchem er einen gedeckten Freibauern besaß. Auf den ersten Blick sah dieses Endspiel für uns verloren aus, aber dank seines präzisen Spiels konnte Siegfried sowohl das „Quadrat“ des Freibauerns decken als auch verhindern, dass der gegnerische König in sein Lager eindrang. Siegfrieds Gegner musste resigniert Remis anbieten und der Mannschaftssieg war gesichert. Stefans Gegner hatte mit Albins Gegengambit eine recht seltene Eröffnung gespielt. Stefan kam zunächst in Vorteil, konnte diesen jedoch nicht halten. Als es um die Wurst ging, hatte er ein Damenendspiel gegen einen gegnerischen Freibauern zu überstehen, der zum Schluss bedrohlich nah vor der Umwandlung stand. Nach sage und schreibe 100 Partiezügen und gefühlten 50 Schachgeboten Stefans erzwang er durch Dauerschach ebenfalls ein Remis und rundete unseren schönen Erfolg auf 5 : 3 auf.
Fazit: Der Klassenerhalt ist uns so gut wie sicher! Im sogenannten Ligaorakel (siehe Abbildung) wird unsere Abstiegswahrscheinlichkeit nur noch mit 0,1 Prozent beziffert. Orakel, das hört sich ein bisschen wie Sterndeutung oder Kaffeesatzlesen an; das unter
https://www.schachklub-bad-homburg.de/LigaOrakel/LigaOrakel.php?staffel=NSV_BEZ3_BL auffindbare „Orakel“ beruht aber in Wirklichkeit auf präzisen Computersimulationen. Es ist eine interessante im Aufbau begriffene Webseite, die, wenn sie mal ganz fertig ist, tagesaktuell die Auf- und Abstiegswahrscheinlichkeiten in allen deutschen Schachligen von der Bundesliga bis zur Kreisklasse berechnen soll. Für die Ligen, in denen unser Verein spielt, ist dies schon jetzt der Fall. Vielen Schachfreunden ist diese vom Schachklub Bad Homburg privat erstellte Seite noch nicht bekannt; es lohnt sich dort mal vorbeizuschauen. Dem Orakel zufolge haben wir allen Grund zum Optimismus, das Restrisiko von einem Tausendstel Wahrscheinlichkeit putzen wir mit so einer Teamleistung wie gegen Goslar auch noch weg!