Gegen die Leinestädter mussten wir am ersten Brett auf Jürgen verzichten, begannen das Spiel aber optimistisch und nach unserem zuletzt errungenen Erfolg gegen Gronau auch selbstbewusst.
Siegfrieds Gegner am Brett 1 wählte die sizilianische Verteidigung und die Partie lief zunächst für ihn gut und nach Plan. Jedoch hat er seine Möglichkeiten im 19. Zug überreizt, statt des geplanten Bauernsturms dem gegnerischen Springer das Tor geöffnet und ist auf die Verliererstraße geraten. So früh hat Siegfried, sonst immer ein Vorbild an Ausdauer und Kampfeswillen, schon lange nicht mehr aufgeben müssen.
Burkhard stand nach 20 Zügen etwas besser als sein Gegner und lehnte dessen Remisangebot ab, da eine Punkteteilung zu siesem Zeitpunkt der Mannschaft nicht wirklich geholfen hätte. Danach landete er in einem Endspiel mit gleicher Bauernzahl, aber mit Springer gegen Turm und musste im 62. Zug den Qualitätsvorteil anerkennen und aufgeben.
Stefan stand als Schwarzer stets chancenreich und gut gegen seinen um ca. 200 DWZ-Punkte stärkeren Gegner , hatte zeitweise einen Mehrbauern, den er durch einen unbedachten Springerzug wieder verlor und konnte im Bauernendspiel ein sicheres Remis nach Haus bringen.
Jan spielte erstmals als Weißer in einer Langpartie die Rossolimo-Variante, kam gut aus der Eröffnung und konnte im Mittelspiel taktisch eine Figur gewinnen. Im Endspiel machte er es dann nochmal spannend, hielt aber alles zusammen und gewann.
Hermann sah sich mit der selten gespielten Bird-Eröffnung 1. f4 konfrontiert. Er kam solide aus dieser Eröffnung und hatte leichtes Druckspiel. Sein Gegner stellte im 34. Zug einen Turm ersatzlos ein und Hermann konnte diesen Vorteil letztendlich in einen Sieg verwandeln.
Frank kam nach ausgeglichener Eröffnung im Mittelspiel zunächst in Vorteil, war dann aber zu gefräßig und kam durch ein Turmopfer seines Gegners in Verlustgefahr, konnte aber durch Materialrückgabe wieder ausgleichen. Letztlich endete die Partie durch Dauerschach seines Gegners Remis.
Ich (Karl Ulrich) steuerte gleich zwei Nägel zu unserem Sarg bei. Schon in den ersten Zügen der Eröffnung – ich versuchte mich gegen Englisch mit einem „Sizilianer mit vertauschten Farben“ – stand ich nach einigen sinnfreien Fehlzügen stark unter Druck. Nur mit Mühe erreichte ich wieder eine leidlich ausgeglichene Stellung und musste mich gegen meinen auf dem Papier schwächeren Gegner mit Remis begnügen. Der zweite Nagel bestand in meiner Fehleinschätzung: In einer Phase, in der Frank stark unter Druck stand, riet ich als Mannschaftsführer Christian davon ab, Remis anzubieten; denn im Falle, dass Frank verloren hätte, hätte das Remis nicht ausgereicht.
Christians ausgeglichene Partie mündete in einem langen und komplizierten Endspiel. Seine stets mannschaftsdienliche Spielweise führte aufgrund meiner Fehleinschätzung dazu, dass er in einer eigentlich ausgeglichener Stellung einen Gewinnversuch unternahm. Das wäre auch beinahe gut gegangen, aber ist immer mit einem großen Risiko verbunden, und da half Christian diesmal auch seine sprichwörtliche Zähigkeit nicht mehr, den Partieverlust zu vermeiden.
Fazit: Die Euphorie nach unserem schönen Sieg gegen Gronau ist verflogen. Jürgen am Spitzenbrett hat uns sehr gefehlt. Aber am Engagement der einzelnen Spieler gibt es nichts auszusetzen, der Abstieg ist zwar nicht vom Tisch, aber zur Panik besteht noch kein Anlass, wir haben in der Tabelle noch drei Mannschaften hinter uns und mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung im nächsten Heimspiel gegen Goslar könnte die Welt schon wieder deutlich freundlicher aussehen.